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Gelbes Blatt / 23. August 2010

Barrierefreie Entwicklung zur Premiumregion


Tätigkeitsbericht des Behindertenbeauftragten des Landkreises / Anton Grafwallner erhält Ehrennadel


Miesbach (ft) - „Du bist ein Glücksfall für den Landkreis", dankte Josef Höß (CSU) Anton Grafwallner. Er habe „uns sensibilisiert", lobte Höß, nachdem Grafwallner dem Kreistag bei dessen jüngster Sitzung über seine Tätigkeit als Behindertenbeauftragter des Landkreises berichtete. Seit zehn Jahren bekleidet Grafwallner das Amt. In dieser Zeit hat er mit großem Engagement viel erreicht. Dafür überreichte ihm Landrat Jakob Kreidl die Ehrennadel des Landkreises Miesbach. Mittlerweile gibt es in allen 17 Kommunen Behindertenbeauftragte. „Sie haben das Netzwerk aufgebaut", würdigte Kreidl Grafwallners Verdienst.

Er selbst blickt auf eine „knochenharte Arbeit" zurück. „Oft gerät man an den Rand der psychischen und physischen Grenze, wenn man die Schicksale von Menschen mit Behinderung näher kennen lernt und nach Lösungsmöglichkeiten suchen muss." Dies ist ihm häufig gut gelungen, auch im öffentlichen Bereich hat er vielen Menschen mit Behinderungen das Leben erleichtert. Die Infrastruktur im Landkreis etwa habe sich verbessert, sagte Grafwallner, der selbst im Rollstuhl sitzt. So könne auch wer kein Auto besitzt, „trotzdem bequem und schnell mit der barrierefreien Bayerischen Oberlandbahn anreisen". Außerdem seien 75 Prozent der Busse in Niederflurtechnik gebaut und mit Klapprampen ausgerüstet. Besonders stolz ist Grafwallner auch auf spezielle Fußgängerüberwege, die Rollstuhl- und Rollatorfahrern ebenso wie Blinden mit Stock helfen, Straßen sicher zu überqueren. Ebenerdige Noppen-und Rillenplatten weisen den Sehbehinderten den Weg - ohne der sonst nötigen Tastkanten, die Gehbehinderten Probleme bereitet. An der Entwicklung waren neben dem Behindertenbeauftragten die Gemeinde Gmund, der Blindenbund Rosenheim und ein Ingenieurbüro beteiligt.

Auch Wanderwege in der Region können Gehbehinderte nutzen. Viele seien für Elektrorollstühle getestet, erklärte Grafwallner. Zudem gibt es 80 Behindertenparkplätze im Landkreis Miesbach sowie 30 Behindertentoiletten. Das komplette touristische Angebot sowie viele hilfreiche Informationen sind im Behindertenkompass für die Alpenregion Tegernsee Schliersee zusammengefasst. Der Internet- auftritt ist ein großer Erfolg, im Schnitt 120 Besucher pro Tag zählt die Seite.

„Licht und Schatten" sieht Grafwallner beim Thema „barrierefreies Bauen". Schon 20 Bauanträge habe er heuer im Auftrag des Landratsamtes darauf geprüft, ob die Vorhaben behindertengerecht sind. Im Oktober lädt Grafwallner zu einem Seminar für Bauamtsleute und Architekten ein. „Was fehlt, sind barrierefreie Wohnungen im Landkreis", erklärte Grafwallner. Er wies darauf hin, dass Kommunen Zuschüsse in Höhe von bis zu 10.000 Euro winken, wenn sie gemeindliche Wohnungen barrierefrei umbauen.

Eine völlig neue Betrachtungsweise von Behinderung, weg vom primär medizinischen und sozialen Blickwinkel hin zu einem Menschenrechtsthema, ist für Grafwallner ein „Quantensprung" - die von den Vereinten Nationen verabschiedete Behindertenrechtskonvention. Damit wurde in Deutschland der Begriff der Inklusion eingeführt. Er verdrängt die Integration. Das bedeutet, „dass Förderung und Unterstützung künftig dem behinderten Menschen folgen müssten und nicht umgekehrt", erklärte Grafwallner. In der Schule etwa hätten Kinder mit Behinderung ein Recht auf einen Platz in einer Regelklasse. Im Landkreis gibt es Beispiele, dass das Konzept funktioniert. Es gibt inklusive Kindergärten, seit kurzem eine inklusive Kinderkrippe bei der Lebenshilfe in Hausham und in Kreuth besteht eine inklusive Regelklasse mit einem blinden Mädchen. Die Tendenz werde sich fortsetzen. ist Grafwallner überzeugt, brauche aber Zeit. Die benötigte auch er. In den vergangenen zehn Jahren ist aber viel passiert, der Landkreis hat beim Thema Barrierefreiheit einen großen Schritt gemacht. Wenn die Zusammenarbeit zwischen Behindertenbeauftragten und Entscheidungsträgern weiterhin so funktioniert, sagte Grafwallner, „könnten wir ohne großen Aufwand eine Premiumregion für Menschen mit Behinderungen für Einheimische, Tagesausflügler und Feriengäste werden".
Miesbacher Merkur  / August 2010

Im Landkreis verschwinden die Barrieren


Grafwallner: Infrastruktur für Menschen mit Behinderungen wird immer besser - Recht auf Besuch einer Regelschule

VON KATRIN HAGER
Miesbach — Anton Grafwallner ist keiner, der sich lange mit der Vergangenheit aufhält. „Ich blicke lieber in die Zukunft", sagte der Behindertenbeauftragte des Landkreises Miesbach in der Sitzung des Kreistags. Seit zehn Jahren ist er im Amt, jetzt zog er vor dem Gremium Bilanz. „Es hat Spaß gemacht, ist aber auch knochenharte Arbeit gewesen", sagte er. „Das geht an die psychische und physische Belastungsgrenze, wenn man die einzelnen Schicksale näher kennen lernt und nach Lösungen suchen muss." Der knochenharte Job ist noch in der Sitzung gebührend
gewürdigt worden: Landrat Jakob Kreidl überreichte dem Behindertenbeauftragten die Ehrennadel des Landkreises Miesbach (siehe Kasten).

GrafwallnerFoto: Anton Grafwallner
wurde vom Landkreis geehrt:

Zuvor hatte Grafwallner erläutert, wo der Landkreis in Sachen Barrierefreiheit steht. Sein Fazit: „Ich habe das Gefühl, wir sind schon fast eine Premiumregion — für Einheimische, Urlauber, Tagesgäste und Ausflügler." Die Infrastruktur für Menschen mit Behinderungen werde immer besser, erklärte Grafwallner, der selbst im Rollstuhl sitzt. Zusammen mit der Gemeinde Gmund und einem Ingenieurbüro sei es gelungen, für Straßen eine kostengünstige Fußgängerquerungshilfe zu entwickeln, die sowohl für Rollstuhl- und Rollatorfahrer als auch für Blinde mit Stock geeignet sei: Sie verfügt über ebenerdige Noppen- und Rillenplatten.
Der Landkreis gehöre zu den wenigen Regionen, in der barrierefreie Buslinien gekennzeichnet seien. 75 Prozent der Linienbusse seien Niederflurfahrzeuge, die Rollstuhlfahrer nutzen können — so wie die Züge der Bayerischen Oberlandbahn. Im Landkreis gebe es 80 Behindertenparkplätze und 30 öffentliche Behindertentoiletten. Für Menschen mit Behinderungen würden spezielle Kulturführungen angeboten, und die großen Kulturtempel im Landkreis, der Waitzinger Keller in Miesbach und das Kultur im Oberbräu in Holzkirchen, seien barrierefrei gebaut.
Allein dieses Jahr habe er 20 Bauvorhaben darauf geprüft, ob sie behindertengerecht sind, berichtete Grafwallner. „Was fehlt im Landkreis, sind barrierefreie Wohnungen", sagte er. Dabei gebe es für Kommunen Zuschüsse wenn sie gemeindliche Wohnungen barrierefrei ausbauen, informierte der Behindertenbeauftragte.

Als „Quantensprung in der Behindertenpolitik" bezeichnete Grafwallner die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, welche die Bundesrepublik unterzeichnet hat. Was manchem sehr theoretisch erscheint, bedeutet für Menschen mit Behinderung eine grundlegend neue Position: „Man spricht heute nicht mehr von Integration, sondern von Inklusion", erklärte Grafwallner. Das bedeutet: Behinderte haben ein Recht darauf, dass sich ihre Umwelt auf sie einstellt — und nicht umgekehrt. Das sei vor allem in der Schule wichtig, ist Grafwallner überzeugt: Kinder mit Behinderung hätten ein Recht auf einen Platz in einer Regelschule. Der Landkreis sei auch hier gefordert: „Daran müssen wir beim Schulbau denken, auch bei den Sportanlagen."

Dass Inklusion funktionieren kann, belegten zum Beispiel die Kindergrippe in Hausham und eine Klasse an der Kreuther Grundschule, die ein blindes Mädchen besucht (wir berichteten). „Der Druck wächst, dass inklusiver Unterricht stattfindet — das wird sich von unten nach oben regeln", glaubt Grafwallner. „In Finnland gibt es keine Förderschulen mehr", stellte er als Vision in den Raum. „Allerdings haben die auch 30 Jahre gebraucht." Bei der Kommunalpolitik im Landkreis habe er jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass die Behindertenbeauftragten der Gemeinden sehr gut weiterarbeiten könnten.

Auszeichnung für Grafwaliner


Für sein Engagement als Behindertenbeauftragter des Landkreises ist Anton Grafwaliner mit der Ehrennadel des Landkreises Miesbach ausgezeichnet worden. Der Gmunder engagiert sich seit zehn Jahren in dem Amt. „Sie haben das Netzwerk aufgebaut", würdigte Landrat Jakob Kreidl. In allen 17 Kommunen des Landkreises gibt es inzwischen Behindertenbeauftragte, die als Mittler zwischen Kommunalpolitik und  Menschen mit Behinderungen fungieren, oft aber auch ganz konkrete Hilfestellung geben oder dafür sorgen, dass das Handicap nicht der zwi-
schenmenschlichen Begegnung im Weg steht. Josef Höß (CSU) lobte im Kreistag die pragmatische Art des Behindertenbeauftragen. Er erinnere sich noch, erzählte der Holzkirchner Bürgermeister, wie Grafwallner reagiert habe, als er ihm erklärt habe, däss die Rollstuhlfahrer-Rampe am Rathauseingang nicht so flach gebaut werden könne wie gefordert. Grafwaliner habe geantwortet. „,Wenn Du die Rampe mit zehn Prozent Neigung baust, ist mir das immer noch lieber, als wenn Du gar keine baust' — das ist Deine Art", lobte Höß.
Merkur-Online  / 2. Juli 2010

Neue Krippe für Tausendfüßler


integrative Krippe / HaushamHausham - Die Lebenshilfe hat in Hausham eine neue Integrative Kinderkrippe geschaffen. Eröffnung ist am 5. Juli. Bürgermeister Hugo Schreiber warnt vor Missbrauch des Angebots.

Foto: Die ersten Kinder sind schon da: Zudem gab es prominenten Besuch beim ersten Rundgang durch die neue Kinderkrippe in Hausham: Stellvertretender Landrat Arnfried Färber(h.l.), Bürgermeister Hugo Schreiber (r.), Pfarrer Michael Mannhardt (2.v.r.) und Kreis-Behindertenbeauftragter Anton Grafwallner.   mehr
Lichtblick Zeitung / Juni 2010

Fürsprecher der Schwachen


Grafwallner, ein Führsprecher der SchwachenFoto: Engagement aus Leidenschaft: Anton Grafwallner

Anton Grafwallner hat viele Pläne


Er ist unermüdlich im Einsatz -
Anton Grafwallner bringt sich ein wo immer er kann, sein soziales Engagement ist schon mehrfach ausgezeichnet worden. Der gebürtige Tegernseer erkrankte selbst vor 30 Jahren an Multipler Sklerose, das stetige Voranschreiten seiner Krankheit hat ihn allerdings nicht entmutigt. Er bezeichnet sich gern als Experte in eigener Sache: „Ich habe das Behindertensein quasi von der Pike auf gelernt", kommentiert er selbstironisch seine Qualifikation als Behindertenbeauftragter. Seit fünf Jahren sitzt er im Rollstuhl, kann nur noch mit der rechten Hand arbeiten und verfolgt doch voller Energie seine Anliegen.
In zehn Amtsjahren hat er schon viel erreicht. Etwa, dass alle 17 Gemeinden im Landkreis einen eigenen Behindertenbeauftragten haben. Anton Grafwallner fasst seine Zukunftspläne unter dem Arbeitstitel „Helfen, handeln und zuhören"
zusammen. „Allerdings ändern sich die Schwerpunkte ständig", erklärt der 61-Jährige. „Im Moment rollt beispielsweise wie eine Tsunamiwelle der Umbau in barrierefreie Wohnungen an." Initiativen, die ihm am Herzen liegen, weil ältere Menschen dann so lange wie möglich in ihren vier eigenen Wohnungen leben können. „Für die Umhauten gibt es finanzielle Hilfen und allein vom Landratsamt Zuschüsse bis zu 10.000 Euro", freut sich Grafwallner.
Besonders stolz ist Anton GrafWallner außerdem auf den so genannten „Behindertenkompass" für die Alpenregion Tegernsee, Schliersee und Wendelstein. Das bayerische Oberland mit seiner reizvollen Natur und seinen beeindruckenden Kulturdenkmälern lässt sich nämlich nicht nur hervorragend zu Fuß erkunden, sondern verfügt auch über getestete Wanderwege für Elektrorollstühle. Zahlreiche Lokale können, dank barrierefreier Zugänge, von Menschen mit Behinderungen problemlos besucht werden. Bad Wiessee und Schliersee bieten speziell für Blinde und sehbehinderte Menschen informative Tastgärten an. Außerdem wird Kultur im Tegernseer Tal groß geschrieben. Viele Kultur-Events werden auch für Rollstuhlfahrer angeboten und ein Großteil der Veranstaltungslokalitäten (Waitzinger-Keller, Kultur im Oberbräu) ist barrierefrei zugänglich. Alles Wissenswerte unter: www.behindertenkompass.de. Und schließlich ist es ihm ein Herzensanliegen, dass behinderte Kinder in ganz normalen Schulen aufgenommen werden, damit sie für die Zukunft gerüstet sind. „In dieser Beziehung ist Bayern leider ein Schlusslicht in Europa. Nur 15 Prozent der behinderten Kinder gehen in normale Regelschulen, 85 Prozent sind in Förderschulen untergebracht. Im Ausland ist es umgekehrt, wie zum Beispiel in Finnland, das bei der Pisa-Studie immerhin mit dem ersten Platz abgeschnitten hat.
TZ / 24.03.2010

Ein normaler Tag mit Vreni


Vreni, ein blindes Mädchen„Es läuft problemlos": In der Grundschule Kreuth geht ein blindes Mädchen in die erste Klasse

Mitten im Gehschehen: Die sechsjährige Vreni erzählt den Mitschülern eine Geschichte. FOTOS: PLETTENBERG

VON KATHARINA BLUM
Kreuth - Buchstabenstunde, heute ist das „au" an der Reihe. Einer hat eine Schaufel mitgebracht. „Ich höre das ,au' in der Mitte", sagt der Bub mit den Sommersprossen. Jetzt ist Vreni an der Reihe, sie hat ein Glasauge dabei. Für einen Außenstehenden mag dieser Gegenstand im ersten Moment ungewöhnlich erscheinen für ein sechsjähriges Mädchen. Für die Lehrerin oder die Mitschüler jedoch nicht. Denn Vreni geht selbstbewusst mit ihrer Behinderung um. Und mindestens genauso groß ist auch die Selbstverständlichkeit, mit der in der Klasse lc der Kreuther Grundschule gemeinsam gelernt wird.

Vreni ist von Geburt an blind. Dennoch besucht das Mädchen mit den Pippi-Langstrumpf-Zöpfen wie alle anderen Kinder die gewöhnliche Grundschule in Kreuth. Sie sitzt in der letzten Reihe, Fensterplatz. Neben Daniel und Peri, ihrer besten Freundin. Die meisten ihrer Mitschüler kennt Vreni schon
aus dem Kindergarten. „Ich liebe Mathe", sagt Vreni. In der letzten Probe hat sie mal wieder die volle Punktzahl eingeheimst, erzählt sie stolz. Sie sei eine der besten Schülerinnen in der Klasse, sagt Klassenlehrerin Katharina Köstler.

In den meisten Stunden lernt Vreni mit ihren Klassenkameraden in einem Raum. Die Unterrichtsinhalte sind - so weit wie möglich - aufeinander abgestimmt, „Wir versuchen, alles so normal wie möglich zu gestalten, aber immer viel zu verbalisieren", sagt Köstler. Manchmal muss die Aufgabenstellung für Vreni eben etwas anders sein. Wenn die anderen im Kunstunterricht einen Elefanten malen, dann ertastet sie auf ihrem speziellen Zeichenbrett die Formen und malt die Farbflächen aus.

In enger Zusammenarbeit mit zwei Schulbegleiterinnen bereitet die Klassenlehrerin das Unterrichtsmaterial so vor, dass Vreni damit zurecht kommt. Texte werden für sie übersetzt und in der Blindenschrift ausgedruckt. Das Mädchen schreibt mit einer Braille-Schreibmaschine. Während ihre Mitschüler die Lösungen der Aufgaben ins Heft schreiben, fliegen Vrenis Finger über die Tastatur. Unter ihren kleinen Fingerkuppen heben und senken sich die Pünktchen der Blindenschrift.
Neben der Schulausbildung werden Mobilität und lebenspraktische Fähigkeiten großgeschrieben. In ihrer Schule findet Vreni sich gut zurecht. Die hat sie vorab mehrmals besucht und die Räumlichkeiten sozusagen
auswendig gelernt. In der Klasse dient ein großer Teppich als Orientierungshilfe. Montags kommt immer eine Blindenlehrerin aus München. „Es ist wichtig, dass sie sich nicht nur innerhalb, sondern vor allem auch außerhalb des Schulgeländes zurechtfindet", erklärt Begleiterin Juliane Kuntsch.

Vrenis Eltern hätten ihre Tochter auch an der Blindenschule in Unterschleißheim bei München anmelden können. Nicht nur wegen des langen Weges lehnten sie ab. „Damit würde sie alle sozialen Kontakte verlieren. Zum Geburtstag werden immer nur die Kinder aus der Klasse eingeladen", erzählt Mutter Monika Bock,
Doch Vreni ist eine Ausnahme - trotz UN-Konvention. Denn ohne ein Engagement der Lehrkräfte geht es nach wie vor nicht. In die Bedürfnisse eines blinden Schülers musste sich auch Katharina Köstler erst einarbeiten. Die junge Pädagogin nahm die Herausforderung an und lernte die Braille-
Schreibwerkzeuge.
„Auf Kinder mit Behinderung wird man im Studium nicht vorbereitet: Ich weiß nicht, ob es gelingt, aber bisher läuft es problemlos", sagt sie. Wichtig sei ihr gewesen, dass sie eine kleine Klasse bekommt. 17 Schüler gehen zurzeit in die 1c. „Es darf keiner zu kurz kommen", betont Köstler.
Anfangs sollen sich einige Lehrer skeptisch gezeigt haben. Inzwischen ist nicht nur Direktor Karl Müller stolz. Dass die Qualität des Gesamtunterrichts unter der Integration nicht leidet, ist auch von Elternseite akzeptiert. „Das ist ein Gewinn für beide Seiten. Die Kinder lernen viel über gegenseitige Rücksichtnahme", sagt Köstler. Und Vreni sei zugleich für alle auch ein großer Ansporn. Schließlich kannte sie die Buchstaben schon vor Schulbeginn. Bis zur dritten Klasse wird sie bleiben können, dann aber wird Köstler die Klasse wahrscheinlich wie üblich abgeben. „Wir hoffen, dass sich wieder ein Lehrer findet. Denn eine Blinden
schule wäre nichts für Vreni", sagt Monika Bock.
Die Stunde ist rum. ,Vreni steht auf, läuft mit sicherem Schritt quer durch die Klasse. Heute hat Josefa Geburtstag, es gibt Kuchen. Vreni setzt sich zu ihren Freundinnen und unterhält sich, bis der Unterricht anfängt.

Hintergrund
Bundesweit wird nach wie vor der Großteil von Schülern mit körperlichen oder geistigen Behinderungen an speziellen Förderschulen unterrichtet. Und das; obwohl Deutschland im Dezember 2008 die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen unterzeichnet hat. Die Vertragsstaaten verpflichten sich dabei zu einem „inklusiven Bildungssystem", in dem Schüler mit Behinderungen an Regelschulen unterrichtet werden. Mit einer Integrationsquote von 15,7 Prozent ist Deutschland Schlusslicht in Europa.
Quelle: Sozialverband Deutschland.
Merkur / 21.01.2010

Spezial-Skier ermöglichen Behinderten Pistengaudi


DualskiBruckmühl - Der Dual-Ski ermöglicht Pistengaudi für Menschen mit Behinderung – nur gibt es das teure Gerät in Bayern bislang nicht zum Ausleihen. Im Sudelfeld will man die Ski-Hilfe jetzt anschaffen.   mehr >





TZ / 21.01.2010

Acht Mannschaften bei integrativem Fußballturnier
SG Hausham - Gemeinsam am Ball


Fußball  Turmier HaushamFoto: Mit Spaß am Fußball gingen die Teilnehmer des integrativen Fußballturniers in Hausham zu Werke. FOTO: LEDER

Hausham — Ohne Vorurteile aufeinander zugehen und gemeinsam Fußball spielen, das waren die Ziele, die die Sparte Handicap integrativ und die Lebenshilfe Miesbach mit ihrem Nachwuchsturnier um den Wanderpokal der Spielbank Bad Wiessee verfolgt haben. Auch bei der zweiten Auflage, die in der Landkreis- Sporthalle in Hausham stattgefunden hat, wurden diese Ziele mehr als erreicht. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Hugo Schreiber traten Mannschaften der SG Hausham, der SF Gmund, des TV Tegernsee, des TSV Otterfing, des TSV Nördlingen sowie aus der Grundschule Haushain und von den Heilpädagogischen Tagesstätten der Lebenshilfe an. 

Das Team der Grundschule konnte den Sieg davontragen. Der TV Tegernsee wurde Zweiter vor den SF Gmund. Allerdings bekamen alle Kicker Urkunden und Medaillen, die Haushamer Grundschüler erhielten aber den großren Wanderpokal. 

Doch es wurde nicht nur Fußball gespielt. Die Gardemäuse der Crachia Hausham sorgten mit ihrem Auftritt für Unterhaltung. Ebenso präsentierten Sitzfußballer ihr Können. Und nach dem Turnier ging es für alle in den zur Disco umgestalteten Gymnastikraum. sw 
TZ / 18.12 2009

NACHRUF

Seine Handschrift adelt die Marktgemeinde Holzkirchen
Helmut Grießer ist verstorben


Helmut Grießer Ganz Holzkirchen trägt seine Handschrift: war vielleicht der aktivste Behinderten-Beauftragte im Landkreis. Hartnäckig setzte er sich dafür ein, dass in der Gemeinde Barrieren für Menschen mit Behinderungen verschwinden oder gar nicht erst entstehen. Ein Fürsprecher der Schwachen, der auch Konflikte nicht scheute. 
Überraschend ist der 66-jährige Holzkirchner jetzt gestorben; gestern fand die Beisetzung statt. "Wir haben viel von ihm gelernt", sagt Bürgermeister Josef Höß, „er hat uns immer wieder gesagt, was bei Baumaßnahmen für Behinderte wichtig ist." Die Rillen im Bushäuschen am Marktplatz (für Sehbehinderte), der stufenlose Zugang zum alten Friedhof, der Zuschnitt des neuen Kulturhauses oder zuletzt der Badelift im Batusa - Helmut Grießer brachte sich ein. „Und er hatte Durchsetzungsvermögen", sagt Höß aus eigener Erfahrung. Sich für Schwache stark zu machen, dieser Wesenszug hatte sich am Arbeitsplatz geschärft Über 30 Jahre arbeitete der Holzkirchner bei Siemens als Gas- und Wasserinstallateur. Sein soziales Engagement mündete dort in die Funktion eines stellvertretenden Behinderten-Beauftragten. Der Handwerker, bis dahin zuweilen ein Feuerkopf, wühlte sich in Gesetzestexte und belegte Schulungen. Es gelang ihm, bei Einzelschicksalen Hilfe zu organisieren. 
Diese Erfahrungen brachte er seit 2003 als Behinderten-Beauftragter Holzkirchens ein. „Wir hatten noch viel miteinander vor", sagt Höß. 

In einer Reha-Klinik, im Nachgang einer Knie-Operation, schlief der Holzkirchner vor wenigen Tagen ein und wachte nicht mehr auf. Er hinterlässt seine Ehefrau und zwei Töchter. avh 
Wer kondolieren möchte, kann dazu auch unser Internet-Portal www.trauer.de nutzen.
TZ / 09.12 2009

JETZT RED I

Geldhauser trifft Brunner
Behindertenbeauftragte redet mit Agrarminister Tacheles


Irschenberg — Für Helga Geldhauser hat sich der Besuch bei „Jetzt red i" gelohnt, obwohl ihr Beitrag nicht in der Sendung ausgestrahlt wurde. Im Studio des Bayerischen Rundfunks in Unterföhring hat Irschenbergs Behindertenbeauftragte nämlich Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (CSU) getroffen und ihm dort einfach direkt ins Gesicht gesagt, was sie will: Öffentliche Zuschüsse bei einer Dorferneuerung sollen nur dann fließen, wenn die Vorhaben behindertengerecht gestaltet werden. Geldhauser legt ihrer Forderung den Artikel 48, „Barrierefreies Bauen", der Bayerische Bauordnung zugrunde: ,,Bauliche Anlagen, die öffentlich zugänglich sind, müssen in den dem allgemeinen Besucherverkehr dienenden Teilen von Menschen mit Behinderung, alten Menschen und Personen mit Kleinkindern barrierefrei erreicht und ohne fremde Hilfe in der alle Forderung nach behindertengerechter Dorferneuerung gemein üblichen Weise zweckentsprechend genutzt werden können", heißt es dort. „Natürlich sieht ein Kopfsteinpflaster schick aus, aber fragen sie mal jemanden, der im Rollstuhl sitzt, wie es ist, darüber zu poltern", sagt Geldhauser. „Wir brauchen doch keine moderne Folter für einen Behinderten, nur weil ein mittelalterlicher Belag gewünscht wird." Das habe sie auch Helmut Brunner erklärt und der hat ihr prompt Unterstützung zugesichert. Und tatsächlich: Keine Woche später hat sich mit Leonhard Rill ein Mitarbeiter des Amtes für ländliche Entwicklung bei Geldhauser gemeldet und ihre Vorschläge notiert. „Es gibt also doch noch Politiker, die nicht alles verschleppen. Großes Kompliment", freut sich Geldhauser. Konkret die Richtlinien ändern könne er zwar nicht, erklärt Rill, aber er werde versuchen, „die Kollegen für die Belange der Behinderten zu sensibilisieren." Bayernweit soll dies geschehen — womit Helga Geldhausers Beitrag dann doch noch ein großes Publikum erreicht. bk
TZ  /  17.11.2009

Silber mal anders

Handbiker Elmar Sternath erhält das Österreichische Ehrenzeichen

Silber für Elmar Sternath  BMW-Welt

Bild: Gemeinsame Freude über die Auszeichnung: der Handbiker Elmar Sternath (v.m.) im Kreise der Gratulanten. FOTO: KN

München/Otterfing — Er wurde Fünfter bei den Paralympics in Peking, er ist Weltmeister, Vizeweltmeister und Doppel-Europameister, aber vor allem ist Elmar Sternath ein Vorbild und ein Kämpfer. Die österreichische Generalkonsulin, Ingrid Pech, hat den gebürtigen Steyrer jetzt für seine Verdienste um die Republik mit dem Silbernen Ehrenzeichen gewürdigt. Der Otterfinger Handbiker nahm die Auszeichnung in der BMW-Welt in München entgegen.

Zu der Feier waren auf Wunsch des 42-Jährigen auch Vertreter seines Vereins, des RSLC Holzkirchen, gekommen. Georg Smolka, der Erbauer und Wartungstechniker seiner Bikes, Tobias Fiedler und Martin Huber. Ebenfalls mit dabei: Anton Grafwallner, der Behindertenbeauftragte des Landkreises Miesbach, 

in der Freizeit schlägt der Sportler auch mal andere Töne an

der Sternaths Verdienste auch aus Sicht des Landkreises würdigte.
Zudem weilten Sternaths Eltern, Rupert und Siglinde, in München, die sich mit ihrem Sohn zusammen über die Auszeichnung freuten. Eingeladen war auch der Leiter des Unterhachinger Chores, in dem der 42-Jährige singt und Kraft tankt für die anstrengenden Wettkämpfe.
Und zu denen soll sich im nächsten Jahr ein weiterer gesellen, Behindertenbeauftragter Grafwallner: „Wir planen im nächsten Jahr ein Handbike-Rennen zum Auftakt des Tegernsee-Laufs."
Elmar Sternath hat schon zugesagt, Grafwallner wartet nun auf weitere Anmeldungen. ska

Interessenten
melden sich bei Anton Grafwallner in Gmund. Weitere Infos über Elmar Sternath gibt es im Internet auf www.handbike-power-endu rance.de.     
TZ  /  13.11.2009

Dem Phänomen „Natur' auf der Spur

Anton Grafwallner erhält Auszeichnung für seine phänologischen Beobachtungen

Wetterdienstplakette für Anton GrafwallnerFOTO: Wetterdienstplakette für Anton Grafwallner (vorne). Thomas Schuhmacher (1.), Anette Grafwallner und Georg von Preysing sind bei der Verleihung dabei. FOTO: LEDER

Gmund — Seit 25 Jahren streift Anton Grafwallner durch die Natur zwischen Dürnbach und Festenbach, beobachtet Wachstum und Veränderungen an Pflanzen, notiert die Ergebnisse und übermittelt diese an den Deutschen Wetterdienst in Weihenstephan. Für dieses ehrenamtliche Engagement als so genannter phänologischer Beobachter wurde der 61-jährige Festenbacher jetzt mit der Wetterdienstplakette ausgezeichnet.
„Die Beobachtungen sind für Gutachten, Vorhersagen und Pollenwarndienste extrem wichtig", betonte Thomas Schuhmacher.    Agrarmeteorologischer Berater des Deutschen Wetterdienstes bei der Verleihung im Gmunder Rathaus. Die Ehrung sei auch ein Signal, um dieses „stille Ehrenamt öffentlich zu würdigen".
Grafwallner macht's gerne: „Die Beobachtungen haben mich auch weitergebildet." Am meisten hätte ihn das „Kunstwerk Esche" fasziniert, gestand Grafwaller. Seine Frau Anette hat Teil daran: Sie begleitet ihren Mann, der wegen einer Erkrankung auf den Rollstuhl angewiesen ist, bei seinen phänologischen Streifzügen. gr
TZ  / 20.10.2009

DER MENSCH DES TAGES
Helfer für Behinderte


Anton Grafwallner FOTO: Anton Grafwallner aus Gmund (Plettenberg)

Anton Grafwallner ist überzeugt: Nicht nur gesunde Menschen wie Erzbischof Reinhard Marx sollen die Möglichkeit haben, mit der Mutter Gottes zu sprechen, sondern auch Gläubige mit Behinderung. Daher kämpft der 61jährige Behindertenbeauftragte im Kreis Miesbach für einen Aufzug zur Wallfahrtskirche in Birkenstein.
Grafwallner erkrankte selbst vor 30 Jahren an Multipler Sklerose. Sein Schicksal und das stetige Voranschreiten seiner Krankheit ertragt er mit einem gehörigen Maß an Selbstironie: „Ich hab das Behindertsein quasi von der Pike auf gelernt", meint er, „das begann mit schwankendem Gang, ging weiter mit dem Hlack'l-Stecka und endete schließlich im Rollstuhl." Weil Anton Grafwallner auf diesen nun seit fünf Jahren angewiesen ist, zudem nur noch mit der rechten Hand arbeiten kann, weiß er genau, wie schwer es Behinderte im öffentlichen es im öffentlichen Leben haben.  
Der gelernte Verkehrs- Ingenieur, der bis zu seinem 50. Lebensjahr mit Verkehrssteuerung und Ampeln zu tun hatte, steuert nun die Bedürfnisse für die Behinderten im Landkreis. In einer Selbsthilfegruppe für MS Kranke fing alles an, „dann erkannte ich, dass unser Landkreis ein weißer Fleck auf der Landkarte für Behinderte war." Unermüdlich und couragiert nahm er den Kampf auf, ficht sich, wie er selbst sagt, "eher mit dem Florett wie mit dem Holzhammer' durch sämtliche Ämter und Behörden. Inzwischen hat er bewirkt, dass alle 17 Gemeinden im Landkreis über einen eigenen Behinderten-Beauftragten verfügen.
Anton Grafwallner hat noch viel vor und seine Ziele bis zum Jahr 2014 in ein Konzept gepackt mit dem Titel „Helfen, handeln und zuhören". Dabei will er Behinderten, alten und mobilitätseingeschränkten Menschen
nicht nur im Stillen, etwa bei Schwierigkeiten mit Krankenkassen oder Behörden helfen. Barrierefreier Tourismus, barrierefreies Bauen, Selbsthilfekontaktstellen, die Förderung des Behindertensports und Kamingespräche stehen auf seiner Agenda. „Bei den barrierefreien Zugängen etwa zu Kirchen, zu Bus und Bahn kommen wir ganz gut voran". meint Grafwallner, der sich auch als Gemeinderat in der Fraktion der Freien Wähler für das Wohl im Ort einsetzt.
Die Verleihung, der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ist für ihn Anerkennung und Ansporn weiterzumachen, sind vielleicht auch den Aufzug zur Wallfahrtskirche Birkenstein zu realisieren. GERT REICHL 
TZ  / 29.09.2009

ÄRGER MIT KRANKENKASSE

Pflege-Kosten trüben Urlaubsfreude
Familie Fottner aus Schliersee versucht vergeblich, finanzielle Unterstützung zu bekommen


Familie Fottner FOTO: Trotzdem lächeln: Susanne Fottner und ihr Mann Erwin,
der an Multipler Sklerose erkrankt ist. FOTO: PLETTENBERG

VON KATHARINA BLUM
Schliersee - Bester Service. Gutes Gefühl. Das verspricht die Deutsche Angestellten- Krankenkasse (DAK) ihren Kunden. Susanne Fottner hat aber kein gutes Gefühl, und bester Service sieht für die Schlierseerin auch anders aus. Ihr Mann Erwin hat seit 15 Jahren Multiple Sklerose, eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Als sie jetzt in den Urlaub gefahren ist, sollte ihr Mann in dieser Zeit im Rahmen einer Kurzzeitpflege betreut werden. In der Kurzzeitpflege wird ein pflegebedürftiger Mensch für einen begrenzten Zeitraum stationär in einer Einrichtung aufgenommen, wenn die Pflege zu Hause vorübergehend nicht möglich ist, weil etwa die Haupt-Pflegeperson wegen Krankheit oder Urlaub „ausfällt". Familie Fottner hat sich für den Aufenthalt in einer Einrichtung in Kiefersfelden entschieden, die sich auf Patienten mit Multipler Sklerose spezialisiert hat. Dafür müsste sie einen Selbstkostenanteil von 35 Euro am Tag bezahlen.
Mit der Frage, ob es die Möglichkeit gäbe, sich einen Teil dieses Betrages zurückerstatten zu lassen, hat sich Susanne Fottner an ihre Krankenkassse gewandt. „Wenn ich ein paar Tage wegfahren möchte, dann summiert sich das schnell auf einen Tausender allein für die Betreuung, denn in den 35 Euro ist ja nichts enthalten, kein Taschengeld oder Ähnliches. Wie soll sich da ein normaler Bürger noch einen Urlaub leisten können?", fragt Susanne Fottner. Als Antwort hörte sie von dem Mitarbeiter der Krankenkasse Aussagen wie „nicht zuständig", „kann nicht weiterhelfen" oder „Da muss Ihnen jemand anders Auskunft geben", erzählt sie. „So richtig wütend" wurde sie aber erst, als man zu ihr sagte: „Seien Sie doch dankbar, dass Ihr sozialer Status es Ihnen überhaupt erlaubt, in den Urlaub zu fahren."
Eine günstigere Lösung soll der Mitarbeiter auch noch parat gehabt haben. Nur zehn Euro würde sie bezahlen müssen, wenn Erwin Fottner die Zeit während des Urlaubs seiner Frau im Krankenhaus verbringen würde. „Jetzt wundert es mich auch nicht mehr, dass das Krankenhaus über Weihnachten so voll ist, weil die Angehörigen offenbar lieber in den Skiurlaub fahren", sagt Susanne Fottner, die selbst im Krankenhaus Agatharied arbeitet.
Die Schlierseerin will sich aber nicht beklagen, sondern aufmerksam machen, denn „sicherlich sind wir nicht die einzige Familie, bei der der Urlaub an den Kosten für die Pflege scheitern könnte. Und jeder hat doch ein Recht auf ein wenig Erholung." Selbst bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft konnte man ihr nicht weiterhelfen. „Für alles gibt es in diesem Land etwas, aber in diesem Fall offenbar nicht. Das ist traurig."
Der DAK-Mitarbeiter wollte den Vorfall nicht kommentieren. Die Pressestelle teilte mit, dass die Krankenkasse keinen Handlungsspielraum habe, was den Selbstkostenanteil betrifft. „Das ist eine gesetzliche Regelung. Die Kasse übernimmt die Pflegekosten, aber nicht etwa die für die Verpflegung. Da haben wir auch überhaupt keine Chance, daran zu rütteln. Zu Hause muss die zu pflegende Person schließlich auch bekocht werden", so Pressesprecher Rüdiger Scharf. Zum anderen sagt er, dass der Mitarbeiter inzwischen eingesehen habe, dass er sich im Ton vergriffen hätte. Er wolle noch einmal mit der Familie sprechen. 

JUBILÄUM
Füreinander da sein: MS-Gruppe feiert Geburtstag 


MS-GruppeFOTO: Strahlende Gesichter: Christian Wrba (m.), Geschäftsführer der DMSG-Landesverband Bayern, ehrte Annelies Schneider (v.l.), Christine Seifert-Lechner, Traudl Luger, Rosmarie Mark, Waltraud Jeensch, Betty und Erwin Muckenhirn sowie Anni Kreidl für ihr Engagement. FOTO: LEDER
Wilparting - Annelies Schneider ist rundum zufrieden: „Das war eine wunderschöne Feier, ein toller Nachmittag", sagt die stellvertretende Vorsitzende der Multiple Sklerose (MS)-Gruppe Kreis Miesbach und Tegernseer Tal, die jetzt im Gasthof Moar in Wilparting ihr 20-jähriges Jubiläum gefeiert hat. Es war ein nettes Beisammensein mit Musik, Kaffee und Kuchen, wobei natürlich auch genügend Zeit für einen gemütlichen Ratsch blieb.
Traudl Luger, Elfriede Fechtl, Gottfried Baminer, Max Kreidl und Otti Kager hatten vor 20 Jahren die Gruppe gegründet, als 100. in Bayern. Inzwischen zählt sie 35 Mitglieder, die sich regelmäßig zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch treffen. Und so soll es auch in Zukunft sein: „Wir wollen weiterhin füreinander da sein und uns gegenseitig helfen", sagt Schneider. bk
 

Mit Behinderung seine Träume verwirklichen
durch Wings for handicapped e.V. 


Bootsfahrt mit 300PSEinen sonnigen Tag lang pflügte Rüdiger Leonhardt mit einer 300 PS starken "Hoppetosse" durch den Tegernsee und sorgte so für viele strahlende Kinderaugen. Rund 140 Mädchen und Buben mit Behinderungen, sowie schwerkranke Kinder, hatten sich beim Behindertenbeauftragten Anton Grafwallner angemeldet. 
Unterstützt durch zahlreiche Helfer, der Wasserwacht Gmund und Rottach-Egern und Manfred Mühlthaler, wurde den Kindern ein wunderbarer Tag auf dem Gelände des Yachtclubs Bad Wiessee geschenkt. Zahlreiche Sponsoren sorgten für Getränke und Brotzeiten.

Jörg Leonhardt, selbst seit seinem 18. Lebensjahr querschnittsgelähmt, weiß genau was bei solchen Veranstaltungen wichtig ist. Vor neun Jahren gründete er den Verein "Wings for handikapped" und zeigte damit, dass man auch mit einer Behinderung Träume verwirklichen kann.
Unter www.w4h.de oder www.behindertenkompass.de findet man mehr Infos und eine Bildergalerie. Die "Hoppetosse" hat dazu beigetragen, das Selbstwertgefühl der Kinder zu stärken, zudem hatten auch ihre Betreuer sehr viel Spaß. Für alle Beteiligten war es ein unvergesslicher Tag. 
Merkur / Juli 2009

HALLENBAD BATUSA

Barrierefrei vom Parkplatz direkt ins Wasser

Hallenbad Batusa Sanft ins Nass: Über den Wasserlift freuen sich (v. I.) Anton Grafwallner (Behindertenbeauftragter Landkreis), Albert Götz (Gemeindewerke), Helmut Grießer (Behindertenbeauftragter Holzkirchen), Bürgermeister Josef Höß und „Probant" Albert Mair aus Otterfing. Foto Lederer
Holzkirchen — Barrierefrei, das hört sich gut an. „Aber Rollstuhlfahrer wissen, dass oft mehr versprochen wird als dann tatsächlich vor Ort möglich ist", weiß Anton Grafwaliner, der Behinderten-Beauftragte des Landkreises. Deswegen kam er persönlich, um sich bei der „Indienststellung" des neuen Wasserlifts im Holzkirchner Hallenbad Batusa von der Wirksamkeit zu überzeugen. „Hier passt's jetzt wirklich", lautete sein Urteil.
Bisher schon gelangten Rollstuhlfahrer über eine Rampe und einen separaten Eingang in den speziellen Umkleidebereich. Auch eine behindertengerechte Dusche und eine Toilette gab es schon im Batusa. Nur die Einstiegshilfe ins Becken für Gehbehinderte fehlte. Zäh hatte Holzkirchens Behinderten- Beauftragter Helmut Grießer darum gekämpft. „Zwei Jahre hat's gedauert", räumte Gemeindewerke-Chef Albert Götz ein, „letztlich war aber klar: Dieser Lift muss sein." Bürgermeister Josef Höß würdigte die „Hartnäckigkeit von Herrn Grießer".
11 800 Euro kostete das Gerät mit Einbau. Der Lift  wird bei Bedarf schnell installiert, die „Passagiere" können ihn sogar selbst bedienen. Ein 24-Volt-Akku sorgt für Energie. Laut Schwimmmeister Hannes Kiesewetter ist geplant, auch an den Außenbecken eine Bodenanker-Hülse für den Lift anzubringen.
Vom Parkplatz bis ins Wasser haben Menschen mit Behinderung nun im Holzkirchner Hallenbad freie Fahrt. Das Batusa ist laut Grafwallner nach Bad Wiessee das zweite komplett barrierefreie Bad im Landkreis: „Schliersee könnte bald das nächste sein." avh
TZ /  04.07.2009

Lesende Hände


Anni Mitterer

Anni Mitterer (m.) ertastet mit leichter Hand den Namen von Louis Braille, dem Erfinder der Blindenschrift, auf dem Schild an dessen Büste. Sie steht in einem Pavillon am Duft und Tastgarten in Bad Wiessee. „Es ist die einzige Büste von Braille in ganz Deutschland", sagt Brigitte Lindmeier, Leiterin der Bezirksgruppe Oberbayern des Blindenbunds.
Auch deshalb hatte die Gruppe Wiessee als Ziel ihres Ausflugs gewählt. Federführend war ein Stammtisch, dessen Sprecherin Mitterer ist. 44 Sehbehinderte reisten mit dem Bus an. Bürgermeister Peter Höß (I.) begrüßte sie herzlich. Auch Fritz Gerlmaier aus Rosenheim, der den Bau des Tastgartens initiiert hatte, war mit dabei. Finanziert wurde er aus der Aktion „Leser helfen Lesern". Den Garten konnten die Ausflügler allerdings nicht genießen: Er stand wegen des starken Regens unter Wasser. FOTO. LEDER
TZ /  26.05.2009

Barrierefrei zum Gottesdienst

NEUE RAMPE 

Kirche Maria Himmelfahrt mit Rampe Bild: Über die neue Errungenschaft freuen sich (v.l.) Horst Möhwald, Pfarrer Wieland Georg Steinmetz, Bürgermeister Peter Höß, Herbert Stadler und Anton Grafwallner. FOTO: HEIN

Bad Wiessee - Komfortabel können Rollstuhlfahrer jetzt über eine sanft geneigte Rampe in die Wiesseer Pfarrkirche Maria Himmelfahrt gelangen. Anton Grafwallner, Behindertenbeauftragter des Landkreises, probierte sie bei der offiziellen Einweihung gleich aus. „Wir sind sehr froh, dass wir jetzt einen guten Zugang für Rollstuhlfahrer haben", betonte Horst Möhwald, Behindertenbeauftragter der Gemeinde Bad Wiessee. Bei der Einweihung mit dabei waren auch Pfarrer Wieland Georg Steinmetz, Bürgermeister Peter Höß und Kirchenpfleger Herbert Stadler.
Eine Rampe hatte es auch früher schön gegeben. Die war allerdings sehr steil und verschwand bei der Renovierung der Pfarrkirche vor zwei Jahren. Jetzt ließ das Ordinariat mit hohem Aufwand eine Metallkonstruktion mit flacher Neigung errichten. Kosten: etwa 25 000 Euro. Das Erzbischöfliche Baureferat übernimmt 50 Prozent der Finanzierung, der Rest muss von der Kirchenstiftung Bad Wiessee aufgebracht werden. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich ans Pfarrbüro, Tel. 0 80 22 / 96 83 60, wenden. im 
Miesbacher Merkur /  20.05.2009

Lara mitten im Leben

Mädchen mit Down-Syndrom besucht Regel-Kindergarten in Miesbach

Bild: Glücklich: Marlies Brunner-Karg mit ihrer Tochter Lara, die sich im Montessori-Kindergarten wohl fühlt. FOTO LEDER

Marlies Brunner-Karg mit ihrer Tochter LaraVON CHRISTINE MERK-HOLZAPFEL
Miesbach - Lara liebt das Karussell - weil sie damit im Kreis fahren, aber noch viel mehr, weil sie sich an dem breiten Sitzkreis hochziehen kann und einen festen Halt für ihre ersten Schritte findet. Lara ist drei Jahre alt. Sie hat das Down-Syndrom und ist deswegen in einigen Entwicklungen den Gleichaltrigen hinterher. Seit einem halben Jahr besucht das blonde Mädchen zweimal in der Woche die Spielgruppe im städtischen Montessori Kindergarten in Miesbach - und macht seitdem enorme Fortschritte.
Laras Mutter Marlies Brunner-Karg ist überglücklich, dass sie für ihre kleine Tochter einen Platz in einem Regel-Kindergarten gefunden hat, und noch dazu an ihrem Wohnort. „Sie soll doch Kinder zum Spielen in der Nachbarschaft haben, und sie soll die Realität kennen lernen, lernen, sich auch mal zur Wehr zu setzen."
Brunner-Karg wollte ihre Tochter deshalb nicht in einen Integrations-Kindergarten außerhalb Miesbachs schicken, und fand beim Team des Montessori Kindergartens Verständnis für diesen Wunsch. Ganz selbstverständlich nahmen sie Lara in ihre Spielgruppe auf. Judith Seiler, Leiterin des Kindergartens, hatte von Anfang an keine Zweifel, dass ein Kind
wie Lara gut in die Gruppe passt - und auch die anderen Kinder von dem Kontakt profitieren. „Wenn die Zusammenarbeit zum Wohl des Kindes funktioniert, dann stellt dem doch nichts im Weg. Für die Kleine und ihre alleinerziehende Mama der Idealfall, denn sie wohnen keine
50 Meter vom Kindergarten entfernt.
Lara hat nun regelmäßigen Kontakt zu Gleichaltrigen, der bisher durch die vielen zeitintensiven Therapien gelitten hat. Anfangs hat sich die Dreijährige in der Spielgruppe deshalb alles andere als wohl gefühlt. „Es war ihr einfach alles zuviel", erinnert sich Brunner-Karg an die ersten Vormittage, die eher frustrierend waren. „Der Lärmpegel, die herumlaufenden Kinder, die vielen neuen Reize." Lara hatte keinen Spaß, sondern einfach nur Angst. Sie weinte und schrie, suchte Schutz bei der Mama, klammerte sich fest und ließ sie nicht gehen.
Das ging über einige Monate so. Doch dann kamen die ersten Erfolge: Schritt für Schritt wurde Lara sicherer, mutiger, suchte Kontakt zu den anderen Kindern. Seit ein paar Wochen bleibt sie problemlos allein in der Gruppe. Wenn sie heute irgendwo etwas Interessantes entdeckt hat, dreht sie sich gar nicht mehr nach der Mama um, sondern krabbelt in einem Affenzahn den anderen Kindern hinterher.
Laras Handicaps; dass sie noch nicht laufen und nicht allein essen kann, akzeptieren ihre gleichaltrigen Spielkameraden mit, kindlicher Unbefangenheit. Den etwas älteren Kindern erklärt Brunner-Karg das „Anderssein" Laras in eigenen Worten: Der liebe Gott baue alle Lebewesen aus vielen Teilen nach einem Schlüssel zusammen.
Miesbacher Merkur / 14.01.2009      HANDICAP - INTEGRATIV 

Hochleistungssport im Sitzen

Rollstuhlbasketballer beeindrucken bei Einlagespiel in Hausharn

RollstuhlbasketballerBild: Unter dem Korb angelangt: Salzburg kurz vor dem Punkterfolg. FOTO:LEDER

Hausharn — Der Rollstuhlfahrer Klaus Edenhofer aus Weyam hat eine Lebensaufgabe gefunden. „Wir möchten den Leuten zeigen, was ein Behindertenspiel ist und was ein Rollstuhlfahrer kann", erklärt er. „Das Problem ist die Werbung. Die meisten wissen nicht, dass das Hochleistung, ist, was wir da betreiben." Daher war es für Edenhofer selbstverständlich, sich der Sparte Handicap-Integrativ der SG Hausham anzuschließen und diese zu unterstützen. Wie zum Beispiel jetzt: Beim Sparkassen-Cup der Fußballer (wir berichteten) bildete ein Rollstuhl-Basketballspiel die Einlage nach der Gruppenphase.
Über die Unterstützung des Weyarners, der inzwischen für Salzburg spielt, freut sich auch SG-Spartenleiter Kurt Flierler: „Wir wollen eine Plattform für den gesamten Behindertensport schaffen, vor allem im Rollstuhlsport, 
und da ist es super, dass uns Klaus Edenhofer unterstützt." Um den Mitgliederkreis der Sparte, die im Moment 45 umfasst, noch zu erweitern, wollen die SGler andere Sportveranstaltungen nutzen, um mit Schaukämpfen auf sich aufmerksam zu machen. „Wir wollen ein größeres Bewusstsein beiden Leuten für den Behindertensport schaffen und den integrativen Gedanken fördern", erklärt Flierler.
Edenhofers RSV Salzburg traf auf den SB Rosenheim. Die Spannung im Vorfeld war riesig. Stille. Doch schon nach wenigen Spielminuten kippte die Stimmung, und das Publikum feuerte die beiden Mannschaften begeistert an. Tempogegenstöße, Dreipunktewürfe, Korbleger — alles wie in einem echten Basketballspiel eben. Da kam es auch schon mal vor, dass die Rollstühle aneinanderkrachten, was zu großem Raunen im Publikum führte. Dass sich am Ende die Rosenheimer, bei denen der Haushamer Thomas Rasshofer spielt, knapp gegen die Salzburger durchsetzten, war nebensächlich. Viel wichtiger: Das Ziel, bei den Zuschauern ein größeres Bewusstsein für den Behindertensport zu schaffen, haben die Haushamer erreicht.  meh